Das Geheimnis der Treue

Ein Autor erforscht den Seitensprung

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Das zentrale Thema der Liebe besteht in der Frage, ob Treue möglich ist. Wie unter einem Brennglas werden bei der Frage nach der Treue alle wichtigen Konflikte der Liebe deutlich: Können wir wirklich das Versprechen einlösen, füreinander in guten und schlechten Zeiten da zu sein? Ist es möglich, dass die Liebe auch in einer langen Beziehung lebendig bleibt?

 

Denn nur dann wäre es sinnvoll, dass wir das Ideal der Treue aufrechterhalten. Doch in der Realität sind geglückte Partnerschaften selten und so wünschen sich zwar 90% der Bevölkerung Treue, dennoch geht jedoch jeder Zweite fremd.

 

Diesen Gedanken geht der Psychotherapeut und Buchautor Dr. Wolfgang Krüger in seinem Buch "Das Geheimnis der Treue" nach. Seine These: Obgleich der Seitensprung sehr verbreitet ist, kann man ihn nicht als Betriebsunfall der Liebe ansehen, er ist kein Ereignis, an das man sich gewöhnen sollte. Denn so wie ein Fieberanfall das Symptom einer Krankheit ist, weist die Untreue eines Partners im Allgemeinen auf eine Störung der gesamten Liebesbeziehung hin.

 

Seitensprünge – ein männliches Phänomen?

 

Zwar gibt es Seitensprünge, die in der Persönlichkeit - vor allem von Männern - begründet sind. Diese gehen fremd, um sich das Gefühl der Unabhängigkeit zu beweisen oder um ihr eigenes Ego zu stärken.

 

Doch 60% der Seitensprünge resultieren aus einer Liebessituation, in der man resigniert hat, das Herzklopfen der ersten Jahre ist längst Vergangenheit. Vor allem in der Sexualität und im gemeinsamen Gespräch liegen reale Defizite vor, die dazu führen, dass zumindest einer der Partner eine Nebenbeziehung beginnt.

 

Diesem Seitensprung liegen fast immer sehr berechtigte Bedürfnisse zugrunde und wird oft wie eine Befreiung empfunden. Trotzdem sind dann viele Menschen prinzipiell durchaus zu einer Fortsetzung der Partnerschaft bereit, falls es gelingt, die bestehenden Beziehungskonflikte zu lösen. Im positiven Fall bleibt der Seitensprung nur eine kürzere Episode.

 

Männer sind bereit für ein Doppelleben

 

40% aller Seitensprünge von Frauen dauern länger als ein Jahr. Und hier zeigt sich ganz deutlich ein Unterschied: während sich Frauen nach über einem Jahr in 56% der Frauen für den Geliebten entscheiden und das Doppelleben beenden, sind dazu nur 27% der Männer in der Lage.

 

Männer sind eher bereit, ein Doppelleben zu führen. Sie wollen den Alltag bewahren und dennoch die neue Liebe leben, was vor allem auf ein großes Sicherheitsstreben hinweist. Und zu hinterfragen sind auch alle Erklärungen, der Seitensprung sei in einer langen Ehe notwendig, um weiterhin Lust zu erleben, da durch die zunehmende Vertrautheit die Sexualität an Schwung verlieren würde.

 

Eine Ehe wird nicht zwangsläufig langweilig, die Sexualität verschwindet nicht, weil man sich besser kennt. Die Abnahme der Leidenschaft ist kein Naturprozess. Vielmehr sind es die vielen kleinen Tretminen des Alltags, die zu seelischen Verletzungen und Enttäuschungen führen.

 

Dr. Wolfgang Krüger: Das Geheimnis der Treue, Kreuz Verlag, 14,95 Euro.

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