Stauffenberg und das Hitler-Attentat
Widerstand im Nationalsozialismus
Artikeldetails
„Heiliger unterm Hakenkreuz“ so titelte Focus online am 18.2.2010, um an den 100. Geburtstag des Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu erinnern.
Aber wer war dieser Stauffenberg, der versuchte ganz Deutschland zu retten? Was veranlasste den vierfachen- fast fünffachen - Familienvater dazu, sein Leben für andere zu riskieren und mit demselben auch zu bezahlen?
Werfen wir also einen genaueren Blick auf das Leben des Claus Graf Schenk von Stauffenberg.
Gliederung:
- Ausführliche Biographie
- Verschiedene Widerstandskämpfer und Arten des Widerstands
- Die Verehrung des Dichters Stefan George
- Stauffenberg und das Hitler Regime
4.1. Stauffenbergs Weg in den Widerstand
4.2. Stauffenbergs Verletzung
- Das Hitler- Attentat oder „Operation Walküre“
5.1. Die Planung des Attentats
5.2. „Das Attentat muss erfolgen“
5.3. Der Staatsstreich „Operation Walküre“
5.4. Das Scheitern des Attentats
- Die Ermordung Stauffenbergs und seine Mitverschwörer
- Stauffenbergs Mitverschwörer
- Was dachte die Bevölkerung, nach dem Krieg, über das Attentat
- 1. Ausführliche Biographie
Die Familiengeschichte der Stauffenbergs reicht weit bis ins 13. Jahrhundert zurück.
Damals waren sie für die Versorgung der Lehensherren zuständig und lebten etwas bescheidener. „Schenk“ war Hauptname und der Beiname wechselte von Ort zu Ort. Ende des 15. Jahrhunderts setze sich dann der Name Stauffenberg fest und blieb dann auch weiterhin fester Bestandteil des Namens.
Die Familie kann gut und gerne in zwei Zweige aufgeteilt werden.
Der eine Zweig wurde ab 1689 Freiherr durch Leopold I. und ab 1874 die Grafenwürde, der zweite Zweig erreichte 1791 die Grafenwürde.
Ein Sprung ins Jahr 1904: In diesem Jahr heiratet Claus Vater die Gräfin Caroline von Üxküll Gylenband.
Im Jahr 1905, also ein Jahr später, kamen dann die Zwillinge Berthold und Alexander auf die Welt.
Am 15. November 1907, zwei Jahre später, kam Claus mit seinem Zwillingsbruder Phillip Maria auf die Welt. Phillip Maria verstarb ein Tag nach der Geburt und auch Claus war ein Kränkelndes Kind.
Mit seinen beiden älteren Zwillingsbrüdern spielte er gerne im Königsschloss von Württemberg, wo sein Vater ab 1908 als Hofmarschall arbeitete.
Als Grafenfamilie hatten die Stauffenbergs auch ein Schloss, das stand in Lautlingen bei Tübingen, dies war aber nicht ganz so groß sondern im Vergleich zum Stuttgarter Schloss eher bescheiden. Trotzdem verbrachten sie dort gerne ihre freien Tage.
Die drei Kinder hatten keine strenge Erziehung. Der Vater konnte zwar schon mal ausrasten, aber da er eh kaum zu Hause war, bekam er tagsüber nicht viel von seinen Kindern mit. Die Mutter, eine sehr gebildete Frau, kannte sich in Musik bestens aus, aber streng war sich nicht. Alle drei Kinder hatten ein sehr engen Verhältnis zueinander und zur Mutter. Sie nannten sie diese liebevoll „Duli“ von „ Du Liebe“ und wenn sie mit einem Kind mal geschimpft hatte dann kamen die anderen Kinder und riefen: „Nicht schimpfen Duli. Nicht schimpfen“
Es kam aber nicht vor dass die Kinder sich am Tisch ungesittet benahmen. Elisabeth Dipper, Privatlehrerin der Kinder, beschrieb das Ganze so: Tagsüber durften sie schreien balgen und sonst was tun. Abends bei Tisch saßen sie dann aber ganz ruhig da und gehorchten sofort. Der einzige der schnell mal eine Ohrfeige bekam war Berthold.
Im Allgemeinen wurde im Hause Stauffenberg sehr viel Wert auf Umgangsformen gelegt. Wie z.B das Verbeugen oder das Küssen einer Hand und natürlich: Erwachsenen wird unter keinen Umständen widersprochen und während sie reden auch nicht unterbrochen.
Ab dem Herbst 1916 besucht Claus die Vorklasse der Eberhard- Ludwig Gymnasiums in Stuttgart und spielte dann ab 1917 das Cello.
In dieser Zeit war er oft krank und konnte nicht wie die anderen Kinder draußen rumtollen. Also fing er an zu lesen und das viel und gerne.
Als dann der 1. Weltkrieg ausbrach war er am Boden zerstört und zwar nicht weil krieg herrschte, sondern weil er sein Vaterland nicht unterstützen konnte. (Seine Brüder sahen das genauso).
Als dann klar war, dass Deutschland den Krieg verlieren würde war er untröstlich und sagte an seinem 11. Geburtstag: „ Einen so traurigen Geburtstag habe ich noch nie gehabt“..
Nachdem Claus sein Abi bestanden hatte fand er sich schnell im Dichterkreis von George wieder. Stefan George war ein Dichter von dem wir heute so gut wie nichts mehr wissen. Doch zu dem Verhältnis zwischen Stauffenberg und Stefan George später mehr.
Während seine Brüder studierten wurde Claus immer klarer dass er einen ruhigen Beruf brauchte. Er war immer noch oft krank und wollte dann Architekt werden. Doch irgendwann sagte er, er wolle Offizier werden weil es Familientradition sei und er schon immer seinem Land dienen wollte.
Außerdem war es ihm wichtig, ein Vorbild anderer Mitbürger zu sein und zwar als kämpfender Offizier. (Dazu kam es allerdings nie so wirklich weil er schnell befördert wurde und so kam er nie wirklich an der Front zum Einsatz)
Doch das war nicht der Hauptgrund für seine Entscheidung:
Er wollte sich unbedingt selber etwas beweisen, er wollte seinen Krankheiten strotzen und nicht mehr für alles anfällig sein wollen. Da kam es ihm gerade Recht, dass das Auswahlsverfahren für Offiziere sehr viel strenger geworden ist seit dem Versailler Vertrag.
Trotz seines Willens war er auch während der Ausbildung oft krank und zu Kur. Doch mit der Zeit wurde er zu einem kräftigen jungen Mann der seine eigenen Schwächen überwunden hatte und nun endlich seinem Traum vom Offizieren nachkommen konnte.
So wurde er am 1. April 1926 Fahnenjunker im Reiterregiment. (Fahnenjunker ist ein Offiziersanwärter im niedrigsten Unteroffizierdienstgrad.)
Da Stauffenberg Pferde über alles liebte ,gefiel ihm der Job im Reiterregiment sehr gut.
Im Oktober 1927 bis August 1928 machte er dann die Grundausbildung zum Offizier worauf dann wiederrum die Ausbildung an der Infanterieschule.
Und so ging dann sein Werdegang als Offizier weiter:
Seine Offiziersprüfung bestand er im Juli 1929 und am 1. Januar 1930 wurde er dann zum Leutnant befördert.
Die Beförderung zum Oberleutnant folgte am 1. Mai 1933
Am 26. Mai 1933 heiratete er dann Nina Freiin von Lerchenfeld. Diese stammte aus einem guten Hause und die Bindung absolut legitim. Allerdings kam die Hochzeit doch sehr früh und das wurde beim Militär und im George Kreis nicht gerne gesehen. Man könnte ja von der Frau abgelenkt werden.
Doch Stauffenberg war sich seiner Sache sicher und bekam mit ihr insgesamt fünf Kinder:
1934: Sohn Berthold
1936: Sohn Heimeran
1938: Sohn Franz Ludwig
1940: Die erste Tochter Valerie
Und schließlich, sechs Monate nach dem Tod Stauffenbergs, kam Tochter Konstanze 1945 auf die Welt.
1934 wurde Stauffenberg als Bereitoffizier nach Hannover versetzt und besteht im Jahr 1936 die Militärsolmetscherprüfung mit Auszeichnung.
Daraufhin geht er in August und September zweimal nach England.
In England wurde er von einem Leutnant gefragt ob Stauffenberg, da er aus Deutschland komme, was gegen ihn habe, weil er ein Jude sei.
Darauf antwortet Stauffenberg, dass es ihm egal sei ob man englischer oder deutscher Offizier, ob man Jude oder nicht Jude sei. Es gehe schließlich darum dass man ein Offizier ist. Und das genüge.
Im Oktober des gleichen Jahres, begann er eine 2 jährige Generalsausbildung an der Kriegsakademie in Berlin. Dort lernte er seinen Freund und späteren Mitverschwörer Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim kennen.
Am ersten Januar 1937 wurde er dann zum Rittmeister befördert. In dieser Zeit vergrößerte sich die Wehrmacht schnell. Die Lehrgänge wurden verkürzt und Beförderungen hagelte es praktisch vom Himmel.
Eineinhalb Jahre später (1.August 1938) wurde Stauffenberg zum 2. Generalstabsoffizier der 1. Leichten Division befördert. In dieser Stellung hatte er zwei Aufgaben:
- Organisationsfragen
- Logistik (Nachschub an Kämpfern)
Dieser Punkt wurde dann allerdings im 2. Weltkrieg nicht sehr groß beachtet weswegen Deutschland dann auch viele Rückschläge einstecken musste.
Im allgemeinen war Stauffenberg ein guter Chef und wurde von allen gemocht. In den Bewertungen heißt es zwar, dass er sich manchmal militärisch genug benahm aber das war es dann auch schon wieder an Kritik.
Er war immer fair zu allen. Das war ihm sehr wichtig. Als im Krieg ein Offizier 2 Frauen erschießt weil sie angeblich Lichtsignale gesendet hätten, stellte sich heraus dass das alles Schwachsinn war. Stauffenberg setzte sich dafür ein, dass dieser Offizier vor das Kriegsgericht kommt und danach degradiert wird.
Im Krieg dann wurde er erst im Polenfeldzug eingesetzt. Dort hatte er als „1b“ ziemlich viel zu tun, da er sich um den Nachschub kümmern musste. 1940 wurde seine Division dann zur Panzerdivision umfunktioniert damit sie am Frankreichfeldzug teilnehmen konnte. Dort drangen die Deutschen sehr schnell vor.
In Frankreich selber wurden dann die Panzerdivisionen überraschend angehalten was die Briten als „Wunder von Dünkirchen“ bezeichnen. Dieser Stopp der Divisionen rettete den Briten nämlich ihre Armee vor dem Untergang.
Im April 1941 wurde er dann zum Major befördert.
Am 14. Februar 1943 kam er in Afrika an wo ihm letztendlich schreckliches widerfuhr: Zu diesem Zeitpunkt hatte Deutschland den Krieg schon so gut wie verloren und man versuchte zu retten was zu retten war. Am 13. Mai kapitulierten dann die letzten deutschen Truppen in Afrika. Doch mehr dazu später.
Stauffenbergs 10. Division fuhr Siege aber auch Niederlagen ein. Am 7. April 1943 wurde seine Division unter Beschuss genommen und während er von einem Wagen aus Anweisungen gab wurde der Wagen von einem Jagdbomber getroffen und Stauffenberg schwer verletzt.
Daraufhin wurde er zuerst in ein Lazarett bei Sfax gebracht dann nach Tunis. Später wird er dann nach Italien geflogen, wo er oft operiert wurde weil ihm Glassplitter entnommen werden mussten.
Er verlor insgesamt 3 Finger und sein linkes Auge. Für das Auge wurde ein Glasauge hergestellt. Dies trug er aber eher selten, weil er seine Augenklappe höchstwahrscheinlich eindrucksvoller fand.
2. Verschiedene Widerstandskämpfer und Arten des Widerstands
Wer vom Widerstand gegen Hitler und die Nationalsozialisten reden will, muss eines immer mit bedenken: Es gab keinen einheitlichen Widerstand gegen Hitler und sein Regime. Und: Die tatsächliche Zahl derer, die dem Regime zumindest kritisch gegenüberstanden, war größer als man glaubte. So berichtet Dietmar Strauch in „Ihr Mut war grenzenlos – Widerstand im Dritten Reich: „Trotz massiven Drucks war selbst 1941 die Mehrheit der Deutschen noch nicht Mitglied der NSDAP oder einer ihrer vielen Untergliederungen …. Beobachtern im Berlin der Kriegszeit fiel auf, dass zumindest die einfachen Leute keine Kriegsbegeisterung zeigten und eine zwar undemonstrative aber unverkennbare innere Distanziertheit zu den anmaßenden Parolen des Regimes zeigten. Im weiteren schreibt Strauch: … zu Beginn des Zweiten Weltkriegs (waren) etwa 300.000 oppositionelle Deutsche aus politischen Gründen in Gefängnissen oder in Lagern untergebracht. Mehr als 5.000 Widerständler mussten ihren Mut mit dem Leben bezahlen und weitere 15.000 Todesurteile wurden vollstreckt für Taten wie „Wehrkraftzersetzung“ oder Desertion. 1) Strauch, Dietmar; Ihr Mut war grenzenlos, Widerstand im Dritten Reich, Weinheim, 2006, Hier: S. 8f., im Weiteren zitiert als Strauch, Ihr Mut war grenzenlos.
So können wir mit Karl Dietrich Erdmann festhalten: „Jeder, der einem verfolgten Juden half, der mit Kriegsgefangenen oder verschleppten Ostarbeitern freundlich umging, jeder, der seinem Unmut in einer unbedachten Äußerung Luft machte oder zu erkennen gab, dass er nicht an einen guten Kriegsausgang glaubte, galt als ein Gegner des Regimes. Jeder Pfarrer, der von der Kanzel die christliche Botschaft verkündete, ohne sie durch einen Kompromiss mit der nationalsozialistischen Lehre zu verwässern, war tatsächlich eine geistige Widerstandskraft, auch wenn sich sein Protest nicht zur direkten Anklage verdichtete. Überhaupt ist der unpolitische Protest ein charakteristischer Zug im Bereich des Widerstandes, so bei den jugendlichen Oppositionsgruppen (Edelweiß, Pack und anderen), die in ihren Kreisen den Protest der Jugendbewegung gegen die reglementierte Hitlerjugend verkörperten. 2) Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte, Band 21, Karl-Dietrich Erdmann: Der Zweite Weltkrieg, München 1983, Hier: Kapitel 13, Deutscher Widerstand, S. 142f., im Weiteren zitiert als: Gebhardt, Erdmann, Bd. 21.
Insbesondere für die Spätzeit des Dritten Reiches galt, dass jeder formulierte Zweifel am Endsieg schon reichte, um von einem Kollegen oder Hausnachbarn denunziert zu werden. Christian Graf von Krockow zitiert in seinem Buch über Claus Schenk von Stauffenberg einen Satz, der zeigt, wie sich innerer Widerstand insbesondere in Berlin im Witz äußern kann: „Eh det ick mir die Rübe abhacken lasse, globe ick an den Sieg.“ -3) Krockow, Christian Graf von; Eine Frage der Ehre, Stauffenberg und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944, Berlin 2002, Hier: S. 13; im Weiteren zitiert als: Krockow, Stauffenberg. – Humor ist, wenn man trotzdem lacht!
Die einzelnen Widerstandgruppen
Goerdeler-Beck-von Hassel-Gruppe und der bürgerliche Widerstand
Wie vielen bürgerlichen Widersachern Hitlers war auch Carl Goerdeler (* 1884; + 1944) der aktive Widerstand nicht an der Wiege gesungen: Der 1884 geborene Jurist ist zwar einer der wenigen, der die Schuld für den verlorenen I. Weltkrieg nicht in der so genannten „Dolchstoßlegende“ sucht, wonach linke und sozialistische Kräfte in der Heimat der ruhmreichen und ungeschlagenen deutschen Armee in den Rücken gefallen sind und so die Niederlage verursacht hätten. Unmissverständlich erklärt er: „Die Führung hat den Zusammenbruch verschuldet, nicht ein Dolchstoß. 4) Strauch, Ihr Mut war grenzenlos, S. 18.
Und doch will er, als er 1930 zum Leipziger Oberbürgermeister gewählt wird, die politischen Parteien in ihren Rechten einschränken und dem Präsidenten fast unumschränkte Rechte einräumen. Und als ihn Franz von Papen 1932 als Arbeitsminister in sein Kabinett holen will, lehnt er ab, weil er sich eine Regierung ohne Hitler, dessen NSDAP in der Zwischen 162 von 423 Sitzen im Reichstag innehat, nicht vorstellen kann.
Im Gegensatz z.B zu Konrad Adenauer in Köln oder Ernst Reuter in Magdeburg – beides vehemente Kritiker des Hitlerregimes – wird Carl Goerdeler nach der „Machtergreifung“ nicht seines Bürgermeisterpostens enthoben, obwohl er sich weigert, der NSDAP beizutreten. Dies war sicherlich auch der Tatsache zu verdanken, dass er ursprünglich mit vielen Zielen der Nationalsozialisten einverstanden war.
Das sollte sich jedoch bald ändern: Bereits im Frühjahr 1933 zeigt er sich enttäuscht, „dass die nationale Revolution keine Sache des Volkes ist, sondern erzwungen wird, indem die SA mit Waffen erschien und Furcht verbreitete.“ 5) zitiert nach Strauch, Ihr Mut war grenzenlos, S. 22. Mehr und mehr entfremdet sich Goerdeler den Nationalsozialisten. Zwar wird er 1936 noch einmal zum Leipziger Oberbürgermeister gewählt, doch die Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten spitzen sich zu. Symbolisch zeigt sich das im Kampf um die Erhaltung des Felix Mendelssohn-Bartholdy Denkmals vor dem Leipziger Rathaus, das die Nazis als ein „Denkmal für einen Vollblutjuden“ abreißen lassen wollen. 6) Strauch, Ihr Mut war grenzenlos, S. 25. Als er, zurück kehrend von einer Reise nach Finnland, im November 1936 feststellen muss, dass seine Abwesenheit genutzt wurde, um das Denkmal abzureißen, reicht er seinen Rücktritt ein – Im März 1937 wird er in einer Feierstunde im Leipziger Rathaus verabschiedet – seine Zeit als aktiver Widerstandskämpfer beginnt.
Bereits 1938 gab es erste Putschpläne von hochrangigen Militärs, die den geplanten Krieg verhindern und Hitler verhaften wollten. „Aufrüstung und der damit bezweckte Wiederaufstieg Deutschlands zu einer Großmacht hatte zwar noch die Zustimmung der deutschen Generäle und Offiziere gefunden, doch angesichts Hitlers aggressiver Außenpolitik ab 1938 gehen viele Konservative wie Goerdeler und selbst Offiziere auf Distanz zum NS-Regime. 7) Strauch, Ihr Mut war grenzenlos, S. 29
Dazu zählten Admiral Wilhelm Canaris (* 1837; + 1945). Als Leiter des militärischen Nachrichtendienstes unterstützte er zahlreiche konservative Widerstandskämpfer und war zwischen 1938 und 1940 an Umsturzplänen beteiligt. Seine Oppositionsaktivitäten werden durch seine Erfolge in der Spionageabwehr lange Zeit verdeckt. Auch wenn er am Attentat des 20. Juli nicht beteiligt war, so fand die Gestapo sein Tagebuch und entdeckte so seine Kontakte zu den Widerstandskämpfern. Im April 1945 wurde er in Flossenbürg gehängt. Canaris deckte insbesondere die Widerstandsaktivitäten seines Stabschefs Generalmajor Hans Oster (*1887; + 1945). Als Leiter der Zentralabteilung des Amts Abwehr will Oster schon 1938 den Umsturz durch einen Anschlag auf Hitler erreichen. Er steht im Mittelpunkt der Widerstandsgruppe in der Abwehr und ist nach einem gelungenen Attentat als Präsident des Reichskriegsgerichts vorgesehen. Nach dem gescheiterten Attentat wird er verhaftet und im April 1945 in Flossenbürg ermordet. Auch die Oppositionshaltung von Generalstabschef Ludwig Beck (* 1880; + 1944) wird von Canaris gestützt. Beck, im Juli 1935 zum Generalstabschef des Heeres befördert, stellt seinen Posten aus Gewissensgründen zur Verfügung und wird schnell zum Mittelpunkt der militärisch-bürgerlichen Opposition. Nach Hitlers Ermordung soll er Staatsoberhaupt werden. Noch am Abend des 20. Juli 1944 wird er, nach einem missglückten Selbstmordversuch, von einem Feldwebel erschossen.
Auch wenn Goerdeler wohl in die Putschpläne um Ludwig Beck nicht eingeweiht war, so weiten die beiden ab 1938 ihr oppositionelles Netwerk systematisch aus: Zu ihnen gesellen sich der deutsche Botschafter in Italien, Ulrich von Hassell, (* 1881; + 1944), der ehemalige preußische Finanzminister Johannes Popitz, (*1884; + 1945), der 1938 auch aus Protest gegen die Judenverfolgungen zurücktrat, Gelehrte wie der Historiker Gerhard Ritter (* 1888; + 1967) und der Geographie-Professor Albrecht Haushofer (*1903, + 1945), der auch Kontakt zum „Kreisauer Kreis“ und zu Mitgliedern der „Roten Kapelle“ aufnimmt. Führende Gewerkschaftler wie Wilhelm Leuschner (* 1890, + 1944) gehörten dazu, der frühere hessische Innenminister und Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB). Als Vizekanzler nach dem Umsturz vorgesehen, hält er über Carl Goerdeler Kontakt zum Kreisauer Kreis. Auch er wird denunziert und 1944 in Plötzensee hingerichtet. Oder Jakob Kaiser (*1888; + 1961), der Führer der christlichen Gewerkschaften, der engen Kontakt zu Leuschner und Goerdeler hat. Nach dem Attentat vom 20.Juli kann er untertauchen und zählt nach dem Ende des II. Weltkriegs ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern der CDU in Berlin. Max Habermann (* 1885; + 1944) gehört dazu; gemeinsam mit Leuschner und Kaiser plant er die Einheitsgewerkschaft nach dem Umsturz. Nach seiner Festnahme im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 wählt er den Freitod.
Als Goerdeler im Herbst 1943 zum ersten Mal mit Claus Schenk von Stauffenberg zusammentrifft, wird die Operation „Walküre“ – das Attentat vom 20. Juli 1944 und der anschließende Staatsstreich geplant. Erwin von Witzleben (*1881, + 1944) sollte danach den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht übernehmen, Goerdeler Reichskanzler und Hassell Außenminister werden.
Der Kreisauer Kreis
Kreisau hieß das schlesische Gut des Helmuth James Graf von Moltke (* 1907; + 1945). Geboren und aufgewachsen in Kreisau studierte er Rechts- und Staatswissenschaften. Im Jahre 1932 siedelte er zusammen mit seiner Frau Freya nach Berlin über. 1935 promovierte Freya Moltke zum Dr.iur. Helmuth Moltke legte 1934 sein Assessorexamen ab und spezialisierte sich fortan auf Völkerrecht und internationales Privatrecht. Als Anwalt stand er jüdischen und anderen Opfern des NS zur Seite und half bei Auswanderungen. Er und Peter Graf Yorck von Wartenburg führten einen Kreis an, der zunächst nicht mehr als ein politischer Freundes- und Gesprächskreis war und darüber hinaus gewisse Ähnlichkeiten zum Kreis um Goerdeler, allerdings auch klare Unterschiede aufwies: Die „Kreisauer“ waren deutlich jünger, standen der Jugendbewegung nahe und der katholischen Soziallehre. Zwar waren auch sie aristokratisch geprägt, allerdings politisch offener. Im Gegensatz zu vielen ihrer Standesgenossen hatten sich Moltke und Yorck von Wartenburg loyal zur Weimarer Demokratie verhalten
Der Kreisauer Kreis insgesamt bestand aus etwa 20 Mitgliedern und setzte sich folgendermaßen zusammen:
Zu den Adligen Mitgliedern zählte Adam von Trott zu Solz, (* 1909; +1944). Trott, der, gemeinsam mit Hans-Bernd von Haeften, (*1905; + 1944) einem weiteren Mitglied des Kreisauer Kreises, bereits Ende der dreißiger Jahre in der Oppositionsgruppe im Auswärtigen Amt aktiv war, sollte nach einem geglückten Attentat auf Hitler Staatssekretär im Auswärtigen Amt werden. Horst von Einsiedel (* 1905; + 1948) leitete im Kreisauer Kreis die Arbeitsgruppe für Wirtschaftsfragen. Otto Heinrich von der Gablentz (*1898, +1972) stellte auf Grund seiner ökumenischen Kontakte die Verbindung zum Weltkirchenrat in Genf her. Nach dem 20. Juli 1944 konnte Gablentz einer Verfolgung durch die NS-Behörden entgehen, da sein Name bei den Nachforschungen der Gestapo unentdeckt blieb. 1945 war er gemeinsam mit Steltzer, van Husen, Lukaschek und anderen Mitbegründer der CDU in Berlin.
Zu den katholischen Geistlichen des Kreisauer Kreises zählte Alfred Delp SJ = Societas Jesu, also ein Jesuitenpater (1907-1945), dessen Überlegungen zur katholischen Soziallehre den Kreis prägten. Ebenso sein Vorgesetzter in Zürich, August Rösch SJ (*1893; + 1961), von dem Moltke sagte, er sei „einer unserer Besten“. Er knüpfte die Verbindungen des Kreises zu katholischen Bischöfen, besonders zum Erzbischof von München, Kardinal Faulhaber und zu Widerstandskreisen in Bayern und Österreich. Rösch überlebte das KZ in Dachau und das Berliner Gefängnis Moabit. Nach seiner Rückkehr nach München wurde Rösch Landesdirektor der bayerischen Caritas und Mitglied des bayerischen Senats. Ein weiterer Jesuitenpater in diesem Kreis war Lothar König SJ (*1906; +1946). Als „Sekretär“ wurde er zur unentbehrlichen Stütze und zum engsten Vertrauten des Ordensprovinzials Rösch. Königs Engagement galt vor allen Dingen der Abwehr von nationalsozialistischen Übergriffen gegen Einrichtungen der Kirche und ihrer Orden.
Hans Lukaschek (*1885; +1960), war Jurist und zählte ebenfalls zum katholischen Widerstand des Kreisauer Kreises. Er nahm an der ersten großen Tagung in Kreisau teil und hielt Verbindung zu leitenden katholischen Stellen. Nach dem Umsturz sollte er sich als politischer Beauftragter für Schlesien zur Verfügung halten. Lukaschek überlebte Folter und Haft durch die Gestapo und gründete gemeinsam mit Steltzer, Gablentz, van Husen und anderen nach dem Krieg die CDU in Berlin. Von 1949 bis 1953 war er Bundesminister für Vertriebene im ersten Kabinett Adenauer in Bonn. In diesem Amt setzte er die grundlegenden Gesetze zur Integration der etwa zehn Millionen Vertriebenen und Flüchtlinge durch.
Zu den Protestanten im Kreisauer Kreis gehörte Pfarrer Harald Poelchau (*1903, + 1972). Seine Studienjahre wurden geprägt durch den religiösen Sozialisten Paul Tillich, bei dem er auch promovierte. Seine Widerstandstätigkeit blieb auch nach dem 20. Juli 1944 von der Gestapo unentdeckt, und er konnte als Gefängnispfarrer auch seine Kreisauer Freunde betreuen, Nachrichten übermitteln und die Verbindung zu den Angehörigen aufrechterhalten. Gemeinsam mit Eugen Gerstenmaier baute er 1945 das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in Stuttgart auf und wurde dessen Generalsekretär. 1972 wurde ihm vom Staat Israel die Yad-Vashem-Medaille der Gerechten der Völker verliehen. Eugen Gerstenmaier (*1906; +1986) war ebenfalls studierter Theologe und engagierte sich seit 1934 im innerkirchlichen Kampf gegen die Deutschen Christen. Im Kreisauer Kreis hielt er vor allem die Verbindung mit dem ökumenischen Rat in Genf aufrecht. Er wurde im April 1945 aus dem Zuchthaus in Bayreuth befreit und übernahm noch im gleichen Jahr die Leitung des Hilfswerks der Evangelischen Kirche in Deutschland. 1954 wurde er Bundestagspräsident. Theodor Steltzer (*1885; *1967), ein Gegner der Nazis von Anfang an, wurde 1933 seines Amtes als Landrat in Rendsburg enthoben und arbeitete danach als Sekretär für die evangelische Michaelsbruderschaft in Marburg, von wo er insbesondere Kontakte zum norwegischen Widerstand, v.a. zum Bischof von Oslo aufbaute. Gemeinsam mit Moltke setzte er sich für verfolgte Juden ein; nach dem Attentat vom 20. Juli war er als Beauftragter für Schleswig Holstein vorgesehen. Beim Herannahen der sowjetischen Armee wurde er aus der Gestapo-Haft in Berlin entlassen und war nach 1945 ebenfalls Mitbegründer der CDU in Berlin.
Zu den Sozialisten im Kreisauer Kreis zählte Adolf Reichwein (*1898; +1944). Der Pädagogikprofessor war geprägt vom religiösen Sozialismus Paul Tillichs und fand über Mierendorff und Haubach den Weg in den Kreisauer Kreis, dessen Kulturprogramm er maßgebend prägte. Für die Zeit nach dem Umsturz war er als Kultusminister vorgesehen. Gemeinsam mit Julius Leber nahm er Kontakt zu den Kommunisten auf, wurde denunziert, verhaftet, misshandelt und schließlich in Berlin Plötzensee ermordet. Carlo von Mierendorff (*1897; +1943) war promovierter Philosoph und aktives SPD-Mitglied und galt als einer der wortgewaltigsten und erbittertsten Nazigegner. Im Kreisauer Kreis trat er unter dem Decknamen „Dr. Friedrich“ auf und übernahm vor allem den Bereich der sozialpolitischen Reformplanung. Carlo Mierendorff kam am 3. Dezember 1943 bei einem Bombenangriff auf Leipzig ums Leben. Julius Leber (*1891; +1945), Sozialdemokrat und seit 1924 Mitglied des Reichstags wurde von 1933 an immer wieder verhaftet. Zum Kreisauer Kreis kam er über Mierendorff und nahm nach dessen Tod 1943 bald eine wichtige Stelle ein, die ihn auch aktiv an den Vorbereitungen zum Staatsstreich teilnehmen ließ. Nach dem gelungenen Umsturz sollte Leber Innenminister oder Reichskanzler werden. Auch er wurde denunziert, als er Kontakt zu den Kommunisten aufnehmen wollte und schließlich im Januar 1945 in Plötzensee ermordet. Theodor Haubach (*1893; + 1945), der seine Doktorarbeit in Soziologie bei Karl Jaspers schrieb, wurde 1929 Pressereferent beim Reichsminister des Inneren und setzte sich konsequent gegen die Nazidiktatur ein. Des Öfteren verhaftet, schloss er sich unverdrossen auf Vermittlung Mierendorffs dem Kreisauer Kreis an. In einer Übergangsregierung nach dem Sturz der Diktatur sollte Haubach den Posten des Regierungssprechers übernehmen. Im Zusammenhang mit dem 20. Juli verhaftet, wurde er im Januar 1945 ermordet.
Bei allen unterschiedlichen Meinungen, die zwischen den aktiven Offizieren, zwischen der Gruppe um Goerdeler und dem Kreisauer Kreis herrschten: Ihnen allen ging es nach dem geplanten Umsturz darum, den Rechtsstaat wiederherzustellen und die Menschenrechte zu verwirklichen. Dieser Rechtsstaat selbst sollte allerdings – nach der negativen Erfahrung mit der parlamentarischen Demokratie in der Weimarer Republik nur im lokal- und kommunalpolitischen Bereich demokratische Strukturen aufweisen. Auf Reichsebene stellten sich die meisten Widerstandskämpfer eher eine Art mächtigen und autoritären „Reichsverweser“ vor, der nur wenig vom Parlament kontrolliert werden sollte. 8)Alle Biographien: Vgl. Homepage der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin, Biographien: www.gdw-berlin.de/bio/namen-d.php
Kommunistischer Widerstand
Die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) wurde von der Machtübernahme Hitlers überrascht und wurde durch die Verfolgungswelle, die der Reichstagsbrand vom 27.2.1933 nach sich zog ihrer Führer, ihrer Presse und ihrer äußeren Organisation beraubt. (Vgl. Gebhardt, Erdmann, Bd. 21, S. 143). Eine logische Folge davon war, dass der Widerstand gegen das Hitler-Regime größtenteils aus dem Ausland erfolgte: 1935 wurde auf der so genannten Brüsseler Konferenz in Moskau die Zusammenarbeit mit den bisher gegnerischen Sozialdemokraten angestrebt. Wilhelm Pieck (*1876; +1960), der 1949 zum ersten Staatspräsident der DDR gewählt werden wird, übernimmt von Moskau aus den Vorsitz der KPD im Exil. Walter Ulbricht (* 1893; + 1973), der spätere Staatsratsvorsitzende der DDR agiert ebenfalls von Moskau aus als Vertreter des Zentralkomitees der KPD. Lähmend wirkte sich auf den kommunistischen Widerstand auch der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt (so genannter Hitler-Stalin-Pakt) vom 23.8. 1939 aus; ein Zustand, der erst nach dem Angriff Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion am 22.6.1941 eine Ende fand. Die kommunistischen Widerstandskämpfer versuchten mit Flugblättern und z.T. auch mit Sabotageakten die Arbeiter in den Fabriken zu Arbeitsniederlegungen zu bewegen und die Kampfbereitschaft der Soldaten zu schwächen – „Darüber hinaus hatte aber der kommunistische Widerstand keinerlei Chance, durch eine Volkserhebung die Hitlerherrschaft zu stürzen. 9) Vgl. Gebhardt, Erdmann, Bd. 21, S. 145. „Die Zahl der von den Nazis getöteten Kommunisten dürfte bei etwas 20.000 liegen, das heißt mehr als die Hälfte aller Deutschen , die wegen ihrer politischen Überzeugungen den Tod durch Hinrichtung erlitten. 10) H.Duhnke, Die KPD von 1933 bis 1945, (1972), zitiert nach Gebhardt, Erdmann, Bd. 21, S. 145.
Die „Rote Kapelle“
Vom kommunistischen Widerstand der KPD ist die so genannte „Rote Kapelle“ zu unterscheiden: „Die politischen und weltanschaulichen Motivationen der Mitglieder reichten von einer christlichen Verantwortungsethik, der parteipolitischen Bindung an die Kommunisten und die Sozialdemokratie über politische Prägungen durch die alternative Jugendkultur der Weimarer Republik oder den Liberalismus des Bildungsbürgertums bis hin zu nationalrevolutionären und nationalbolschewistischen Einflüssen. 11) Steinbach, Peter, Tuchel, Johannes (Hg.), Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur, Bonn, 2004, hier: Jürgen Danyel, „Die Rote Kapelle“, S. 396, im Weiteren zitiert als: Steinbach, Tuchel, Widerstand,
Ihren Namen bekam die „Rote Kapelle“ übrigens von der Gestapo verliehen: Sie ordnete diese politisch völlig uneinheitliche Widerstandsgruppe der „Roten Kapelle“ zu, einer Sammelbezeichnung für Spionageorganisationen in sowjetischem Dienst. Lange galten deshalb ihre Mitglieder nicht als „ehrliche Widerstandskämpfer“, sondern wurden als sowjetische Spione diffamiert, obwohl auch sie nur ein Ziel hatten: Den Krieg so schnell wie möglich zu beenden. 12) Strauch, Ihr Mut war grenzenlos, S. 150f. Erst nach der deutschen Wiedervereinigung 1990, als neues Archivmaterial zugänglich war, konnte die bedeutende Arbeit dieser mutigen Widerstandsgruppe gewürdigt werden. 13) Strauch, Ihr Mut war grenzenlos, S. 172
Zu den wichtigsten Vertretern dieser „bunten Truppe“ gehörten die Amerikanerin Mildred Harnack-Fish (*1902; +1943) und ihr deutscher Ehemann, Arvad Harnack.
Mildred Harnack-Fish ist amerikanische Literaturwissenschaftlerin und arbeitet seit 1932 am Berliner Abendgymnasium als Lehrerin. Sie nutzt ihre guten Beziehungen zur amerikanischen Botschaft, knüpft Kontakte zu oppositionell oder gegenüber dem NS-Regime kritisch eingestellten Frauen und Männern, gewinnt einige für eine aktive Widerstandstätigkeit und unterstützt die illegale Arbeit ihres Mannes. Sie wird mit ihrem Mann am 7. September 1942 in Preil auf der Kurischen Nehrung verhaftet und schließlich zum Tod verurteilt. Im Februar 1943 wird sie, als einzige Amerikanerin, die im deutschen Widerstand ihr Leben verlor, in Plötzensee ermordet. Ihr Mann, der Jurist Arvid Harnack (* 1901; +1943) baut ab 1933 einen Schulungszirkel auf, der die Beteiligten befähigen will, sich mit den politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, und sie auf die Zeit nach dem Sturz des NS-Regimes vorbereitet. Er hat enge Kontakte zur amerikanischen und sowjetischen Botschaft. Seit 1935 im Amerikareferat des Wirtschaftsministeriums tätig, avanciert er bis 1942 zum Oberregierungsrat. Er wird im September 1942 verhaftet und am 22. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee ermordet. Harro-Schulze Boysen, *1909; +1942), der nach den Harnacks wohl bekannteste Kopf der „Roten Kapelle“ hat bereits als Herausgeber der Zeitschrift "gegner" vielfältige Kontakte in politisch unterschiedliche Widerstandslager und bekommt dennoch – wohl auf Grund seiner ausgezeichneten Sprachkenntnisse – eine Anstellung in der Nachrichtenabteilung des Reichsluftfahrtministeriums. Gemeinsam mit dem Ehepaar Harnack gelangen er und seine Frau Libertas (* 1913; + 1942) so an wichtige Informationen. Harnack und Schulze-Boysen informieren im ersten Halbjahr 1941 einen Vertreter der sowjetischen Botschaft über die Angriffspläne gegen die Sowjetunion. Im Dezember 1942 wird Arvid v. Harnack in Plötzensee ermordet.
Kirchlicher Widerstand
„Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen“ (Dietrich Bonhoeffer); „Ich habe geschwiegen, wo ich hätte reden müssen“ (Martin Niemöller). Zwei protestantische Stimmen im Chor gegen die Deutschen Christen – zwei protestantische Theologen, die ihren Weg konsequent gingen – einer davon bis zum „Kelch, dem bittern.“ Stellvertretend für die „Bekennende Kirche“ sollen diese beiden Lebensläufe hier kurz vorgestellt werden.
Martin Niemöller (* 1892; +1984) schrieb zwei Jahre vor seinem Tod: „Als ich anfing, war ich konservativer Lutheraner. Mit neunzig bin ich jetzt Revolutionär. Von Reformen halte ich nichts mehr.“ 14) Strauch, Ihr Mut war grenzenlos, S. 174. Martin Niemöller, U-Boot-Kommandant im I. Weltkrieg, später Theologiestudent und NSDAP-Wähler seit 1924, 15) Strauch, Ihr Mut war grenzenlos, S. 178. Seit 1931 Pfarrer im Berliner Villenviertel Berlin-Dahlem. Dieser Martin Niemöller gründet im September 1933 einen Pfarrernotbund, dem 7.000 Mitglieder angehören – etwa 1/3 aller deutschen evangelischen Pfarrer aus dem sich dann 1934 die „Bekennende Kirche“ entwickeln wird. Und das als Reaktion auf die Entfernung der Juden auch aus den Kirchenämtern. Von 1941 an sitzt Niemöller für seine Überzeugung im KZ Dachau. 1945 befreit wird er zu einem der entschiedensten Befürworter des Stuttgarter Schuldbekenntnisses vom Oktober 1945, worin es heißt: … wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ 16) Vgl. Strauch, Ihr Mut war grenzenlos, S. 191. Letzteres sicher auch eine Anspielung auf die Enzyklika Papst Pius XII.: „Cura ardenti“ – „mit brennender Sorge“ aus dem Jahr 1937. Nach 1945 wandelt er sich – von Vielen angegriffen und doch weltweit geehrt und ausgezeichnet – zum radikalen Pazifisten. Er verurteilt die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik genau so wie den Vietnamkrieg und verbindet sich noch im hohen Alter mit den 68-er Studenten und der außerparlamentarischen Opposition (APO). Ob es nun um christliche oder politische Fragen geht, immer stellt er sich zuerst die Frage: „Was würde Jesus dazu sagen?“
Dietrich Bonhoeffer (*1906; +1945)
Nach Theologiestudium, Promotion und Auslandsaufenthalten arbeitet Dietrich Bonhoeffer seit dem Sommer 1931 als Privatdozent, Studenten- und Jugendpfarrer und erweist sich von 1933 an als kompromissloser Gegner des Hitler-Regimes. "(...) Führer und Amt, die sich selbst vergotten, spotten Gottes".
Die radikalste Form des Widerstandes bestehe aber darin, "nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen (...)".
Seit Oktober 1933 führt Bonhoeffer von seinem Pfarramt in London aus seinen entschiedenen Kampf gegen die Deutschen Christen, den Teil der evangelischen Kirche, der sich mit den Nationalsozialisten arrangiert hatte, fort. 1934 konstituiert sich die Bekennende Kirche als Gegenkirche zur deutschchristlichen Reichskirche. Der Grundentwurf stammt von dem führenden reformierten Theologen und Mitbegründer dialektischen Theologie*, Karl Barth (* 1886; * 1968). Die Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche in Wuppertal-Barmen begründet insbesondere in der 2. Barmer These unmissverständlich, dass es keinen von der Herrschaft Christi unberührten Bereich gebe. Damit widersetzt sie sich ganz klar dem totalen Durchdringungsanspruch der nationalsozialistischen Weltanschauung und fordert aktiven Widerstand gegen die NS-Politik. Bonhoeffer zählt zu ihrem politischen Arm. 1940 beginnt er die konspirative Tätigkeit für die Widerstandsgruppe der Abwehr um Admiral Canaris und Hans von Dohnanyi. Bei mehreren Auslandsreisen fungiert er als Kurier. Eine Gruppe von Juden wird ins Ausland in Sicherheit gebracht. Im Auftrag der Widerstandsgruppe knüpft er Kontakte zu den Alliierten. Alles dient der Vorbereitung eines Umsturzes, der durch die Ermordung Adolf Hitlers eingeleitet werden sollte. Als Verschwörer enttarnt schreibt Bonhoeffer während der fast zweijährigen Haft im Gefängnis Tegel und im Berliner Gestapokeller sein bekanntestes Werk, eine Briefsammlung mit dem Namen „Widerstand und Ergebung“. Im April 1945 wird er im KZ Flossenbürg ermordet. Am bekanntesten ist aber sein vertontes, ebenfalls im Gefängnis zur Jahreswende 1944/45 entstandenes Gedicht: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag, worin es in der dritten Strophe heißt: „Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern, mit Leid gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar, ohne Zittern, aus deiner guten und geliebten Hand.
*Dialektische Theologie: Wie im dialektischen Aufsatz sieht Karl Barth auch im Verhältnis zwischen Mensch und Gott zwei Thesen bestätigt: These: Mensch ist Mensch und Gott ist der „ganz Andere im Sinne des alles Verändernden“, den der Mensch erst einmal nicht erkennen kann (Verborgener Gott). Antithese: Der verborgene Gott gibt sich aber in Jesus Christus zu erkennen und diese Offenbarung erfolgt in der Hl. Schrift. Der Mensch erfährt dies nur im Glauben. Diesen Glauben zu wecken und zu bewahren ist die Aufgabe recht verstandener Verkündigung, die deshalb auch im Mittelpunkt der Theologie stehen muss.
Katholischer Widerstand
Vom aktiv politischen „katholischen Arm“ und dessen Bedeutung innerhalb des Kreisauer Kreises war schon die Rede – hier soll die Auseinandersetzung des Katholizismus mit der nationalsozialistischen Weltanschauung skizziert werden: Die katholischen Bischöfe hatten schon in den Jahren vor 1933 nachdrücklich vor dem Nationalsozialismus gewarnt und seine Anhänger mit Kirchenstrafen belegt. Gründe waren: Der Kult von Gewalt und Rasse , (…) und die Bedrohung menschlicher Freiheit. 17) Vgl. Steinbach, Tuchel, Widerstand, Heinz Hürten, Widerstehen aus katholischem Glauben, S.131. Den Höhepunkt der Kritik markierte die in allen katholischen Kirchen verlesene Enzyklika „Cura ardenti – mit brennender Sorge“ von Papst Pius XII. vom März 1937. Hierin heißt es u.a.: Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung – die innerhalb der irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz behaupten – aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. Ein solcher ist weit von wahrem Gottesglauben und einer solchem Glauben entsprechenden Lebensauffassung entfernt. 18) Amtliche Ausgabe des deutschen Textes: Acta Apostolica Sedis, 29 (1937), S. 145 – 167; hier: Punkt 12.
Zweierlei wird hier deutlich: Die katholische Kirche lehnte das NS-System mit seinem allumfassenden Machtanspruch ab. Auf der anderen Seite mahnten aber auch die deutschen Bischöfe stets zu staatsbürgerlicher Loyalität: „Wir Christen machen keine Revolution“, so Bischof Clemens August Graf von Galen (* 1878; + 1946). Eben dieser Bischof hält 1941 drei berühmt gewordene Predigten, in denen er die Terrormethoden der Gestapo, die Morde an Patienten von Heil- und Pflegeanstalten und die staatliche Beschlagnahme von Klöstern öffentlich anprangert. Die Nationalsozialisten wagen jedoch nicht, den beliebten Bischof von Münster zu verhaften. Galen überlebt das Kriegsende und wird kurz vor seinem Tod 1946 zum Kardinal ernannt. Auch der Kölner Erzbischof Joseph Frings (*1887; *1978), der in seinen Predigten immer wieder für Verfolgte und gegen staatliche Unterdrückung eintritt vertritt die Ansicht: „Die deutschen Katholiken hatten keinen Grund, der Regierung Hitler ihr Anerkennung zu versagen, da keine andere Regierung da war und die bestehende die Gewalt unbestritten in Händen hatte. Gewaltsame Revolution zu machen, ist mit der katholischen Auffassung kaum vereinbar. 19) zitiert nach Steinbach, Tuchel, Widerstand, Heinz Hürten, Widerstehen aus katholischem Glauben, S. 140.
Fazit: Widerstehen aus katholischem Glauben bedeutete Verweigerung des nationalsozialistischen Totalitätsanspruchs, Nichtanpassung aus Treue zur Kirche und der durch sie geformten Lebenswelt. 20) Steinbach, Tuchel, Widerstand, Heinz Hürten, Widerstehen aus katholischem Glauben, S. 144.
Der jüdische Widerstand
Immer noch stößt man auf die Behauptung, die deutschen Juden hätten sich alle wie Lämmer zur Schlachtbank führen lassen. Stellvertretend für den jüdischen Widerstand im Deutschen Reich soll hier die Gruppe um das Ehepaar Herbert Baum (* 1912; +1942) und Marianne Baum (* 1912; +1942) genannt werden. Ein Mitglied dieser Gruppe – Herbert Budzislawski (* 1920; +1943) drückt dies so aus: Ich hatte das Empfinden, dass mir als Jude im nationalsozialistischen Deutschland Unrecht geschieht. Ich suchte nach einem Ausweg, der es mir ermöglichte, weiterhin in Deutschland als Mensch zu leben.“ 21) Strauch, Ihr Mut war grenzenlos, S. 140f.,
Gemeinsam mit dem befreundeten Ehepaar Sala und Martin Kochmann gingen sie, als 1941 alle Juden den Judenstern tragen mussten, in den Untergrund. Nach ihrem Brandanschlag auf die antikommunistische und antisemitische Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies“ im Mai 1942 in Berlin wurden sie gefasst und insgesamt 20 Mitglieder der Gruppe zum Tode verurteilt. Herbert Baum nahm sich nach schweren Folterungen in der Haft das Leben.
Georg Elser (*1903; +1945): „Ich habe den Krieg verhindern wollen“.
Der württembergische Bau- und Möbelschreiner Georg Elser wird früh zum politischen Einzelkämpfer, weil er entschiedenen Widerstand gegen Hitlers Regierungsübernahme fordert. Nach dem Münchener Abkommen vom Herbst 1938 entscheidet sich Elser, gewaltsam Widerstand gegen das NS-Regime zu leisten und auf diese Weise den Ausbruch eines als sicher erwarteten Weltkriegs zu verhindern. Er versteckt eine Bombe im Münchener Bürgerbräukeller, wo Hitler regelmäßig zum Jahrestag seines Umsturzversuchs vom 9. November 1923 vor "alten Kämpfern" der NSDAP spricht. Nur durch einen Zufall verlässt Hitler am Abend des 8. November 1939 vor der Explosion die Versammlungsstätte. Die Detonation zerstört die Galerie des Saales fast völlig und hätte Hitler wahrscheinlich getötet. Bei dem Anschlag kommen eine Kellnerin und sechs Zuhörer ums Leben, ein weiterer stirbt wenige Tage später. Elser, der München bereits verlassen hat, wird eine Stunde vor der Explosion am Konstanzer Grenzübergang zur Schweiz festgehalten und wegen seines verdächtigen Tascheninhalts der Gestapo übergeben. Er wird Mitte November 1939 nach Berlin gebracht und später in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau verlegt. Im April 1945 wird Elser im KZ Dachau erschossen.
Die „ Weiße Rose“
Die Gruppe um die Studenten Hans Scholl (*1918; +1943) und seine Schwester Sophie Scholl (*1921; +1943) verbreitete in den Jahren 1942 und 1943 Flugblätter gegen das NS-Regime. Aus konservativ-bürgerlichen Familien stammend, dabei christlich geprägt, hofften sie spätestens 1943, als nach der Niederlage von Stalingrad die Sinnlosigkeit und das Leiden des Krieges endgültig offenkundig waren, auf eine breite Unterstützung aus der gesamten Bevölkerung. Bei der Verteilung des letzten Flugblatts wurden die Geschwister Scholl verhaftet. Vier Tage später wurden sie hingerichtet. 21)Vgl. Strauch, Ihr Mut war grenzenlos, S. 73
Swing-Jugend und Edelweißpiraten
Widerstand durch Nonkonformismus. So könnte man vielleicht das zusammenfassen, was gar nicht so wenige Jugendliche im „Dritten Reich“ praktizierten, die einfach nur die regimetreue Gefolgschaft verweigerten. Und das war gar nicht so einfach. Wer das entsprechende Alter hatte, musste seit 1936 entweder zur HJ (Hitler-Jugend) oder zum BDM (Bund Deutscher Mädel). Über die HJ und den BDM erfolgt die Vermittlung der NS-Ideologie: „Wir wollen, dass dieses deutsche Volk einst gehorsam ist, und ihr müsst euch in dem Gehorsam üben. Wer sich als Junge verweigert, weil er den Drill hasst und die damit verbundene Vorbereitung auf den militärischen Einsatz ebenso, fällt den Machthabern auf. Und wer als Mädchen seine Rolle in der Gesellschaft nicht in erster Linie als Hausfrau und Mutter sieht, erst recht. Schnell bilden sich verbotene, so genannte „wilde Jugendgruppen“, misstrauisch von den Nazis beäugt und von Anfang an kriminalisiert. Besonders lebhaft geht es bei der Swing-Jugend zu. Sie verbindet die Freude am Jazz; ihre Liebe zu den großen Jazzern der Zeit: Duke Ellington, Glenn Miller, Benny Goodmann, Count Basie, Ella Fitzgerald oder auch Billie Holiday, zu deren Musik ausgelassen getanzt wird. Auch das Äußere der Swings ist den Nationalsozialisten suspekt: „Die langen Haare der Jungen werden mit Brillantine oder Zuckerwasser nach hinten gekämmt, die Mädchen tragen ihre Haare ebenfalls lang und offen. Die Kleidung ist ebenfalls provozierend: die Jungs tragen bis ans Knie reichende Jacketts, breite Hosen mit Schlag und Schuhe mit Kreppsohle – und bei jedem Wetter einen Regenschirm. Die Mädchen auffälliges Make-up und sexy Kleidung. Kurz: ein schöner Kontrast zu Kurzhaarschnitt bei der HJ und braven Zöpfen beim BDM. 22) Vgl. Strauch, Ihr Mut war grenzenlos, S. 104 ff.
Wie politisch ein solch eher äußerliches Sich-Absetzen von der Masse wirken kann macht ein von den Swings gern gesungenes Spottlied klar:
„Wir sind nicht Juden, sind nicht Plutokraten,
doch die Nazis müssen trotzdem weg.
Aus uns macht man keine Soldaten,
denn unsere Hymne ist der Tiger Rag.
Und die Obrigkeit reagiert: Im Sommer 1942 werden in Hamburg mehr als 300 Mitglieder Swing-Jugend verhaftet. Jugendliche, die von der Verhaftung verschont blieben, werden nun politischer und schließen sich z.B. dem Hamburger Zwei der „Weißen Rose“ an.
Noch mehr Jugendliche schließen sich den Edelweißpiraten an: Größtenteils sozialistisch erzogen, bringen sie eine Abneigung gegen den militärischen Drill von zu Hause aus mit. Man erkennt sie an einem Edelweiß auf der Jacke oder einer edelweißfarbenen Stecknadel am Revers. Sie widersetzen sich dem Verbot von Fahrten und Zeltlagern, das nur HJ- und BDM-Mitgliedern erlaubt ist, zelten wild und freuen sich ihres Lebens. Wie bei den Swings sind auch hier in den Gruppen Jungs und Mädchen gemischt, im Gegensatz zu den streng getrennten Veranstaltungen von HJ und BDM. Mit Beginn des Krieges wird auch gegen die Edelweiß-Piraten verstärkt vorgegangen. Die Gruppe selbst handelt, insbesondere im Umfeld des Kölner Stadtteils Ehrenfeld, mehr und mehr politisch. Bartholomäus Schink, Barthel genannt, *1927; +1944 und weitere Jugendlich lernen in den 40-er Jahren in diesem Stadtteil entflohene Häftlinge, untergetauchte Deserteure und Juden kennen, ebenso Zwangsarbeiter aus dem Osten. Sie versorgen diese Menschen mit – z.T. illegal besorgten – Lebensmitteln. 1943 stößt Hans Steinbrück, *1921, +1944 zu ihnen, der aus dem KZ –Außenlager Köln-Messe geflüchtet war: Er wird der Kopf einer Art Partisanengruppe, die von Köln aus operiert. Ihr größter geplanter Coup – ein Sprengstoffanschlag auf das Kölner Gestapo-Hauptquartier – fliegt auf und in der Folge werden sechs der Ehrenfelder Edelweißpiraten, darunter auch „Barthel“ und Steinbrink, gehängt, ebenso wie 11 Zwangsarbeiter aus Osteuropa.
Erst 2005 erkannte der Kölner Regierungspräsident Jürgen Roters vier der Edelweiß-Piraten, unter ihnen Bartholomäus Schink, als Widerstandskämpfer an.
3. Die Verehrung des Dichters Stefan George
Nachdem Claus sein Abitur bestanden hatte, fand er sich schnell im Dichterkreis von Stefan George wieder. Dieser Stefan George (*1868, + 1933) verkündete als Dichter-Prophet in der Nachfolge Friedrich Nietzsches ein kommendes neues Reich. Ein Reich, das nach dem Durchgang durch das Chaos entstehen und den aristokratischen, göttergleichen Menschen hervorbringen sollte. Besonders Claus und Berthold waren von Georges Ideen begeistert. Sie verehrten den Dichter sogar so sehr, dass sie später die Todeswache für George hielten. Und auch, wenn sich Stefan George schließlich mit seiner Übersiedlung in die Schweiz der Vereinnahmung durch die Nazis entzog, so zeigt doch die Begeisterung für das Heldenhafte, Neue und Nationale, dass es mit der demokratischen Begeisterung der Stauffenberg-Kinder für die Weimarer Republik nicht weit her war.
Wir wissen Heutzutage nicht mehr viel über Stefan George, die meisten wissen nicht mal mehr den Namen. Doch damals fühlten sich viel junge Menschen zu Stefan George hingezogen.
Der ganze Kreis erinnerte wirklich sehr an einen Mönchsorden. Frauen waren verboten und wenn man sich verliebte oder gar heiratete in jungen Jahren kam es schon mal zum Bruch.
Die Mitgliedschaft wurde mit einem Bruderkuss besiegelt und man schrieb sich gegenseitig Liebesbriefe. Man konnte gut und gerne von einer schwulen Atmosphäre sprechen, was Stauffenbergs Mutter überhaupt nicht gefiel.
Deshalb ging sie persönlich zu George und wollte genau wissen worum es in diesem Kreis geht.
Sie kam beruhigt zurück. Es ging um ein neues „geheimes Deutschland“ und darum dass man sich genau auf dieses Deutschland konzentrieren sollte.
4. Stauffenberg und das Hitler Regime
Man ist sich ziemlich uneins darüber, wie Stauffenberg ursprünglich zu Hitler stand. Bei dem Historiker Peter Hoffmann heißt es, dass Stauffenberg, genauso wie jeder andere Offizier auch, nationalkonservativ eingestellt war. In der Familie galt er sogar als einziger „Brauner“. Deswegen kam sein Attentat für viele auch sehr überraschend. Noch am Tag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler soll er sogar gejubelt haben.
Sein Bruder behauptete später, als er von der Gestapo vernommen wurde, dass Claus schon immer nationalsozialistische gedacht und gefühlt habe, wobei viele der Meinung sind, er habe damit einfach nur ein gutes Wort für seinen Bruder einlegen wollen und seinen eigenen Kopf retten wollen.
Wohingegen es bei Ehrhard Zeller heißt, dass diese Behauptung vollkommen aus der Luft gegriffen sei.
Eines ist jedenfalls sicher: Stauffenberg musste seinen Weg in den Widerstand erst finden und war nicht von Anfang an der Meinung, dass Hitler ermordet werden müsse, sondern dass Hitler Deutschland wieder zur Großmacht führen würde.
4.1 Stauffenbergs Weg in den Widerstand
Seit seiner Beförderung zum Major im April 1941 hatte Stauffenberg mehr Einblick ins Kriegsgeschehen. So erlebte er das Scheitern des „Unternehmen Barbarossa“ aber auch die Brutalität, mit der die SS in den eroberten Ländern „aufräumte“.
Ab Mitte des Jahres 1942 hört man dann von Stauffenberg Worte wie: „ Hitler ist ein Narr und Verbrecher und muss getötet werden“.
Er wusste aber auch, dass er selbst nicht in der Lage sein würde, Hitler zu töten da er keinen Zutritt zur Wolfsschanze und damit zu Hitlers „innerem Führungszirkel“ hatte.
Wie bereits erwähnt wurde Stauffenberg 1943 in Afrika schwer verwundet und dadurch körperlich sehr eingeschränkt. Doch weil er schon immer ein Mann mit einem starken Willen war, schaffte er es auch, sich mit seinem neuen Körper abzufinden.
Aber natürlich konnte er nach diesen Verletzungen nicht mehr aktiv an der Front ins Kriegsgeschehen eingreifen und trat so Ende des Jahres 1943 seine Stelle als Chef des Stabes beim Allgemeinen Heeresamt in Berlin an.
Sein neuer Chef war General Friedrich Olbricht - einer der wichtigsten Akteure im Widerstand gegen Hitler. Dieser hatte Wind davon bekommen, dass Stauffenberg die Seiten gewechselt hatte und versuchte von dem Zeitpunkt an, Stauffenberg für sich zu gewinnen.
Stauffenberg selber hatte bereits im September Kontakt zu Henning von Tresckow aufgenommen der ebenfalls ein wichtiger Widerstandskämpfer im dritten Reich war.
4.2 Stauffenbergs Verletzung
Stauffenbergs Verletzung ist insofern wichtig für seinen Werdegang als Widerstandskämpfer, weil ihn diese Verletzung daran hinderte zurück an die Front zurückzukehren und ihm vielleicht dadurch auch erst richtig klar wurde wie brutal dieser Krieg doch war.
Am 14. Februar 1943 traf Stauffenberg auf dem Gefechtsstand in Tunis ein. Dort sollte er den schwerverletzten 1a ersetzten.
Er freute sich auf seine Einsatz weil er dort „alles anwenden könne was er auf der Kriegsakademie gelernt habe- Angriff, Verteidigung, Rückzug, hinhaltenden Widerstand“
Und so fuhr er mit seiner Division Niederlagen aber auch Siege ein genau so wie er es auf der Kriegsakademie gelernt hatte.
Am frühen Morgen den 7. Aprils wollte Stauffenberg den Rückzug der Division lenken und dann zu dem neuen Gefechtsstand nach Mezzouna zu fahren.
Doch es kam alles ganz anders. Sie gerieten in ein Inferno von Flammen und so waren sie für die englischen Bomber leichte Beute.
Während Stauffenberg als 1a durch das Geschehen fuhr und Befehle gab wurde sein Wagen von vorne getroffen.
Stauffenberg warf sich vom Wagen und wurde dann getroffen.
So lag er dann da bis ein Melder rief: „Der 1a wurde getroffen!“ sofort kamen Sanitäter die ihn zuerst in ein Lazarett bei Sfax brachten dann nach Tunis. Später wird er dann nach Italien geflogen, wo er oft operiert wurde weil ihm Glassplitter entnommen werden mussten.
Er verlor insgesamt 3 Finger und sein linkes Auge. Für das Auge wurde ein Glasauge hergestellt. Dies trug er aber eher selten, weil er seine Augenklappe höchstwahrscheinlich eindrucksvoller fand.
- 5. Das Hitler- Attentat und „Operation Walküre“
Ein Attentat selber war schon seit Jahren von Widerstandskämpfer geplant worden, doch
1. ergab sich nie eine Situation in der man es hätte ausführen können,
2. wusste man nicht durch wenn und geschweige denn wie es hätte ausgeführt werden sollen.
Und:
3. Selbst wenn es ein Attentat gegeben hätte, wie sollte man danach weiter agieren? Welche Verfassung sollte gelten? Sollte es eine neue geben oder die aktuelle, die noch aus der Weimarer Republik stammte, beibehalten werden? Wer sollte neuer Reichskanzler werden, wer Präsident?
Fragen über Fragen, die noch lange unbeantwortet im Raum stehen bleiben sollten.
„Operation Walküre“ dagegen war schon lange geplant. Egal ob jetzt von Hitler oder Stauffenberg.
5.1 Die Planung des Attentats
n seiner neuen Stellung als Stabschef halste sich Stauffenberg doppelte Arbeit auf. Einmal die Planung des Attentats selbst und dann auch noch die Planung des Staatsstreiches, der direkt auf das Attentat folgen sollte.
Doch schon kamen die alten Fragen wieder auf. Die wichtigste Frage war, wer das Attentat durchführen soll.
Man war sich eigentlich einig, dass Stauffenberg es nicht tun sollte. Nicht nur wegen seiner offensichtlichen Behinderung, sondern auch, weil er für das politische Führung in Deutschland nach dem Attentat nicht zu entbehren war. Außerdem hatte er immer noch keinen direkten Zutritt zu Hitler, der sich immer mehr in die Wolfsschanze zurückzog.
Aber wer war sonst noch dazu bereit, ggf. im Widerstand für das deutsche Volk zu sterben?
Genau diese Frage stellte sich Stauffenberg auch und versuchte mit aller Kraft, mögliche Ausführende zu finden.
Für kurze Zeit sah es so aus, als habe er jemanden gefunden: Helmut Stieff. Dem wurde die Sache dann aber zu heiß und er kniff. Zu seiner Verteidigung muss gesagt werden dass er in der Nacht zum 21. Juli aufs brutalste gefoltert wurde.
Währenddessen entwickelte man den Plan, dass Hitler die neuen Uniformen vorgestellt werden sollten, in denen man Sprengstoff verstecken wollte. Der Ausführende solle dann auf Hitler springen und ihn und sich selbst in die Luft sprengen.
Axel Freiherr von dem Busche- Streithorst erklärte sich sofort dazu bereit. Busche war als Hauptmann hochdekoriert und bekam 1942 Massenerschießung an Juden als Zeuge mit. Ihm blieb dann die Wahl, so sagte er, zwischen „Fallen, Fahnenflucht oder Rebellion.“ Durch das Attentat ließ sich Fallen und Rebellion verbinden.
Aber, ironischer Weise, wurden die neuen Uniformen bei einem Luftangriff englischer Bomber zerstört. Busche erklärte sich zwar weiterhin dazu bereit, das Attentat durchzuführen, ging aber zunächst zurück an die Front, wo er schwer verletzt wurde und ein Bein verlor.
Als die neu hergestellten Uniformen endlich fertig waren, fragte Stauffenberg Ewald Heinrich von Kleist, ob dieser vielleicht das Attentat durchführen wolle. Kleist wollte darüber aber erst mit seinem Vater reden. Sein Vater, absoluter Hitler- Hasser, war sofort dafür.
Als das Attentat immer wieder verschoben wurde, sagte von Kleist dann aber doch ab.
Nach langem Hin und her wurde entschieden, Hitler durch ein Pistolenattentat zu töten: „ Schließlich hat das Schwein ja eine Fresse, in die man hineinschießen kann.“ Sagte Graf Yorck von Wartenburg. Für dieses Pistolenattentat wurde Eberhard von Breitenbuch ausgewählt. Dieser sollte Hitler während einer Konferenz erschießen. In der hierfür vorgesehenen Konferenz wurden Ordonnanzoffiziere aber ausnahmsweise nicht zugelassen und noch einmal wollte er sich das selbe nicht antun.
Schließlich lief doch alles auf Stauffenberg hinaus und trotz seiner offensichtlichen körperlichen Einschränkungen nahm er die Aufgabe ohne zu zögern an.
Stauffenberg sollte bei einer Besprechung, an der auch Himmler und Göring anwesend sein sollten, einen Sprengstoff zünden und so alle wichtigen Akteure des NS- Regimes auf einmal töten.
Es war wichtig, dass Himmler und Göring ebenfalls da waren, da Himmler, als Reichsführer SS, einer der wichtigsten Männer im NS- Regime war.
Und Göring, weil dieser, falls Hitler umkommen würde, der direkte Nachfolger Hitlers war. Natürlich gab es im Falle von Görings Tode auch einen Nachfolger, doch Heß hatte sich selbst ausgeschaltet in dem im Jahr 41 nach England geflogen war und seitdem ist er dort Gefangener.
5.2 „Das Attentat muss erfolgen“
Nachdem Stauffenberg am 1. Juli zum Oberst im Generalstab befördert worden war, hatte er ab sofort Zugang zu Hitler, der sich in dieser Zeit eigentlich nur noch in der Wolfsschanze aufhielt.
aber dann kamen Zweifel auf. Niemand wusste
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